Lösung

Wesentliche Qualitäten für effektives Coaching

„Das Fehlen der Lösung ist kein Problem.“

Dieses Post-it auf einer Coaching Konferenz hat mich inspiriert – und erinnert mich daran, wie sehr wir Coaches manchmal das Gefühl haben, eine Lösung anbieten zu müssen. Schließlich hat der Klient ja für unsere Unterstützung bezahlt. Doch was, wenn die wahre Hilfe nicht in der schnellen Lösung liegt, sondern im Zulassen der Ungewissheit und im Innehalten?

Sich als Coach bewusst zu machen, dass es nicht die eigene Aufgabe ist, eine fertige Lösung von außen zu präsentieren, ist wichtig. Und vor allem: sich das innerlich und äußerlich zu erlauben. Denn oft ist es genau dieses „Nicht-Wissen“, das den Raum für echte Veränderung eröffnet. Gerade in einer Welt, die überflutet ist von schnellen „Tipps, Tricks und Hacks“ und Marketingslogans wie „7 Schritte zum garantiert erfolgreichen Leben“.

Doch genau hier liegt für mich die Essenz des Coachings:

Es geht nicht darum, sofort eine Lösung anzubieten, sondern den Klienten zu begleiten, das Problem und die zugrunde liegenden Gefühle zu entdecken und anzuerkennen. Gefühle, die oft verdrängt oder nicht einmal bewusst wahrgenommen werden, weil sie unangenehm oder unbequem sind.

Coaching geht über das Lösen von Problemen hinaus. Sondern es geht darum, einen Beziehungsraum zu erschaffen und sicher zu halten, in dem der Klient sich gesehen, gehört und verstanden fühlt. In dem auch die Ambivalenz, die Unklarheit und die Unsicherheit Platz hat.

In diesem Raum darf alles sein, was besonders im körperorientierten, somatischen Coaching, wichtig ist.

Wir Coaches sind da, um zu begleiten, nicht um vorzugeben, wie es weitergeht. Wir müssen bereit sein, Ambivalenz auszuhalten – die Stille zu ertragen und auch die „negativen“ Gefühle unserer Klienten nicht wegzuwischen oder zu bewerten.

Coaches dürfen nicht „zu nett“ sein oder eine feste Agenda haben. Sie dürfen nicht in die Falle tappen, glauben zu wissen, was der Klient braucht. Stattdessen sollten sie den Raum schaffen, in dem der Klient selbst die Antworten finden kann, ohne Druck und ohne das Gefühl, „richtig“ oder „schnell“ handeln zu müssen.

Erst wenn wir diese Tiefe zulassen, erst wenn wir uns gemeinsam mit dem Klienten auf die Reise in das Ungewisse und in das „Noch-Nicht-Wissen“ begeben, wird Coaching wirklich wirksam. Hier entsteht echtes Wachstum – jenseits von schnellen Lösungen.