Das Trauma in dir

Ein wunderbares Buch von Bessel van der Kolk. Er erklärt Grundlagen zu Trauma-Arbeit, bietet eindrückliche Fallgeschichten, beleuchtet wichtige Studien vor und stellt u.a. Körperarbeit als Lösungsansatz vor:

"In den letzten drei Jahrzehnten haben Psychopharmaka in unserer Kultur einen kaum noch wegzudenkenden Einfluss gewonnen, wenn auch mit sehr zweifelhaften Konsequenzen.

Als Beispiel hierfür möchte ich auf die Rolle der Antidepressiva hinweisen. Wären sie tatsächlich so wirksam, wie man uns glauben machen will, dürften Depressionen in unserer Gesellschaft mittlerweile kaum noch eine Rolle spielen. Aber trotz des ständig steigenden Konsums dieser Mittel hat sich an der gewaltigen Zahl stationärer Behandlungen wegen Depression nicht das Geringste geändert."

"Medikamente können ein Trauma nicht »heilen«, sondern nur die Ausdrucksformen gestörter physiologischer Prozesse lindern. Sie können dazu beitragen, Gefühle und Verhaltensweisen unter Kontrolle zu halten, aber das hat immer seinen Preis, denn sie wirken, indem sie die chemischen Systeme blockieren, die den Aktivitätsdrang, die Motivation, den Schmerz und angenehme Empfindungen regulieren."

"Berührung, das elementarste Werkzeug, das uns zur Verfügung steht, um andere Menschen zu beruhigen, darf bei den meisten therapeutischen Praktiken nicht genutzt werden.

Doch kann niemand völlig genesen, wenn er sich nicht wohl (und sicher) in seiner Haut fühlt. Deshalb empfehle ich meinen Patienten, sich auf irgendeine Form von Körperarbeit einzulassen."

"Wenn Traumatisierte sich verändern wollen, müssen sie sich ihrem inneren Erleben öffnen. Der erste Schritt auf diesem Weg besteht darin, dem eigenen Geist zu gestatten, sich auf physische Empfindungen zu fokussieren und sich deren Flüchtigkeit zu vergegenwärtigen, da sie schon auf leichte Veränderungen der Körperhaltung, des Atemmusters und des Denkens reagieren– in krassem Gegensatz zum quasi zeitlosen, ständig präsenten traumatischen Erleben."

"Achtsame Berührung und Bewegung erden Menschen und ermöglichen ihnen, Anspannungen zu entdecken, die sie seit langer Zeit festhalten und die ihnen nicht einmal mehr bewusst sind.”

"Um unsere eigene Stimme zu finden, müssen wir in unserem Körper sein– wir müssen tief atmen und zu unseren inneren Empfindungen in Kontakt treten können.

Dies ist das Gegenteil von Dissoziation, von »außerhalb des eigenen Körpers sein« und davon, sich selbst verschwinden zu lassen. Und es ist das Gegenteil von Depression, von zusammengesunkenem Sitzen vor einem Bildschirm, der uns passive Unterhaltung liefert. Handlungsfähigkeit beinhaltet, dass wir in der Lage sind, unseren Körper zu nutzen, um unseren Platz im Leben einzunehmen."